Bereits mit nicht einmal sechs Jahren beweist Frieder Mache sein künstlerisches Talent, indem er ohne Mühe und vollkommen aus der Phantasie heraus, eine Weihnachtskrippe aus Ton modelliert. Erst vier Jahre später genießt der am 12. Oktober 1945 in Stuttgart geborene Frieder Mache den produktiven Kunstunterricht am Gymnasium. Während dieser Zeit beschäftigt er sich mit Abbildungen von Werken van Gogh's, Dega's, Holbein's und italienischen Meistern. Chinesische und japanische Malereien gesellen sich dazu. Mit 16 Jahren erhält er seinen ersten Fotoapparat. Nach Fotographien in schwarz-weiß folgen welche in Farbe. Die Auseinandersetzung mit seiner Umgebung hat begonnen. Ab 1989 beginnt Frieder Mache das Aquarellieren, das er neben dem Zeichnen vornehmlich auf Urlaubsreisen praktiziert da er seine übrige Zeit als Orthopäde in der eigenen Praxis verbringt. Dies ändert sich erst, als er 1998 auf die Insel Kreta übersiedelt, wo sich „im Olivenhain neben dem Wohnhaus sein Atelier befindet.“

Frieder Mache beherrscht zahlreiche Gestaltungstechniken. Er arbeitet mittels Rötel-, Pastell- oder Buntstiften genauso mühelos, wie er das Aquarellieren, die Gouache, das Malen in Acryl, Öl oder in Mischtechniken beherrscht. Der Vielfältigkeit seiner Techniken entspricht die der Themen: die weibliche Figur, das menschliche Gesicht, Natur-, Landschaft- und Städteansichten realisiert er genauso wie Stilleben. Dabei nimmt er die Realität zum Anlass oder er gestaltet rein aus der Phantasie heraus. Das Bild ist dann vor seinem geistigen Auge fertig, bevor es zur Verbildlichung kommt.
Die schnelle Umsetzung eines natürlichen Eindrucks gewährleistet Frieder Mache das Aquarell. Ein augenblicklicher Naturzusammenhang veranlasst ihn zur Übersetzung in eine meist farbintensive, bewegte, mehr oder minder verdichtete Bildsprache, die den atmosphärischen Moment mit seinen besonderen Lichtverhältnissen und für den Landstrich typischen Wesensmerkmale festhält. Frieder Mache kopiert nicht, sondern er übersetzt das Gesehene in seinen Farbzusammenhang, der es zunächst in abstrakte Tupfen und Zonen auflöst, um es anschließend in einer neu gefundenen Bildstruktur (neu) zu realisieren. Der gemalte Kontext verbildlicht dann aus eigener Kraft das Typische von Malta, Lanzarote, Tunesien oder Kreta. Dabei sind es keine „begehbaren“ Landschaften, die Frieder Mache zeigt – es sind von ihm neu gestaltete, weil von ihm so empfundene und erlebte Farbwelten, die individuell, ausdrucksstark und intensiv leuchtend sind. In den von Frieder Mache erfühlten und dementsprechend gemalten Farbakkorden liegt der Ausdruck der Bildkontexte. Während in der Vielzahl der Aquarelle die Farben fließen, strukturieren schwarze Konturen hie und da flächig gemalte Farbbezüge. Die Transparenz und Leuchtkraft der Farben bleiben erhalten.
Ein weiteres großes Thema stellt die weibliche Figur dar. Aufgrund von Frieder Maches medizinischer Ausbildung vermag er Figuren aus dem Stegreif zu zeichnen und zu malen. Dabei interessieren ihn vornehmlich die weiblichen Rundungen, die er üppig veranschaulicht. Egal welcher Technik er sich bedient – die Frauen zeigt er fast alle nackt, in den schwierigsten Posen und Positionen. In den jeweils gewählten Ansichten stellt Frieder Mache sein Können unter Beweis, selbst die kompliziertesten Proportionierungen und Verkürzungen aufgrund der gezeigten Bewegungsvielfalt setzt er im Bild um. Auch hier trifft er das Typische des jeweils darzustellenden Themas. Stellt er „nur“ Gesichter dar, verwendet er oft seine Walztechnik, indem er per Rolle Farbschichten aufträgt, sodaß eine Art „kubistische“, prismatisch gebrochene Farbstruktur entsteht, die das Gesicht in abstrakte Flecken auflöst. Größtenteils verbildlicht er kantige, aus dem Dunkel hervortretende, erschrockene, traurige Gesichter, die dem Tod näher sind als dem Leben. Der Tod und der Krieg haben auch in einer Reihe von Acrylbildern einen hohen Stellenwert: brennende Felder und Städte, sowie Soldaten, Schlachtfelder und Friedhöfe sind veranschaulicht. Glutrote Feuersbrünste und dunkle Farben drücken das Empfundene aus, denn gesehen hat Frieder Mache es tatsächlich nicht. Der Künstler verfügt, wie bereits mehrfach gesagt – über eine ausgeprägte Phantasie. Den Ausdruck seiner Bildwelten legt er in die Ausdruckskraft der Farben. Gleichzeitig erhalten die Bilder ihren traumhaften, geheimnisvollen, entrückten oder einfach nur südländisch durchpulsten Charakter. Frieder Mache verleiht jedem einzelnen Bild eine besondere, expressive Note. Eigenwillig in Farb- und Formgestaltung veranschaulicht er in jedem Landschaft-, Städte- oder Figurenbild das Wesentliche des jeweiligen Themas. Um dies zu erreichen, muss er zwangsläufig die Äußerlichkeit der Dinge durchbrechen, um sie anschließend mittels einer abstrahierten, gar abstrakten Bildsprache neu entstehen zu lassen. An die Stelle der Realität tritt die neue Bildwirklichkeit Frieder Maches. Ihre Farb-Form-Zusammenhänge sind die wahre Verbildlichung der Bildthemen.
Dr. phil. Ulrike Eldracher
Kunsthistorikerin